Froschgift, satanische Rituale und Erbschaftsstreit: „Treffpunkt Stadtarchiv“ mit historischen Gerichtsfällen
Rostock-Stadtmitte (HRPS) • Eine Frau versucht, ihren Ehemann mit einer Suppe aus Fröschen zu vergiften, nachdem dieser gedroht hatte, die Stadt niederzubrennen. Zwei Familien prügeln sich in einer Kirche und zerlegen dabei mit Beilen die Einrichtung zu Kleinholz. Ein Goldschmied bestiehlt seinen Lehrmeister, wird darauf hin von diesem durch das halbe Land verfolgt und entgeht nur knapp einem satanischen Ritual. Szenen aus der neuesten Krimiserie oder einem Kinofilm? Keineswegs. Alle diese Geschichten sind wirklich passiert – und zwar hier in Rostock.
Über Jahrhunderte hinweg haben sich die Berichte über das Leben und Treiben der Stadtbewohnerinnen und -bewohner erhalten – realitätsnah und authentisch - überliefert in den Akten der Stadtgerichte. Seit dem späten Mittelalter hatte Rostock die volle Gerichtsbarkeit, durfte also die meisten Straffälle innerhalb der Stadtgrenzen selbst verhandeln. Mehrere hundert Jahre lang sammelten sich so unzählige Akten zu Diebstählen, Erbschaftsstreitigkeiten und Körperverletzungen an, also zu Fällen, die auch heute noch vor Gericht verhandelt werden. Doch genauso finden sich Anklagen, die heute eher sonderbar anmuten: das Brauen von Zaubertränken, Beleidigungen durch unerlaubtes Duzen oder ein nicht eingehaltenes Heiratsversprechen.
Die Akten der Stadtgerichte bieten somit einen unvergleichlichen Blick auf das Leben und Denken der Menschen der frühen Neuzeit. Seit 2021 werden diese Dokumente nun aufgearbeitet und erstmalig der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Stadtarchiv kümmert sich in einem eigens ins Leben gerufenen Projekt um die fachgerechte Erschließung der Gerichtsüberlieferung, die bis zum Jahr 1879 reicht und weit über 10.000 Einzelfälle umfasst. Im Verlauf dieser Arbeit sind bereits einige abenteuerliche Geschichten zu Tage getreten, die jetzt in einem Vortrag durch die Archivarinnen und Archivare des Stadtarchivs präsentiert werden.
Der Treffpunk Stadtarchiv mit dem Titel „Piraten, Hexer, Ehebrecher. Kuriositäten aus den Rostocker Obergerichtsakten“ findet am [strong]Donnerstag, dem 6. März 2025,[/strong] um 17 Uhr im Festsaal des Rathauses statt. Der Einlass beginnt ab 16 Uhr, der Eintritt ist frei.
Quelle: HRO-News.de | Rubrik: Kunst & Kultur | Mi., 21.01.1970 - 04:38 Uhr | Seitenaufrufe: 7« zurück zur News-Übersicht